Giesen, 27.07.2017, von Bernhard Rodeck, Winfried Hüls, Enrique Hernández Gómez

Hochwasser im Landkreis Hildesheim

Kampf gegen die Fluten

Die letzte Juliwoche brachte in Niedersachsen ergiebigen Dauerregen. Im südlich gelegenen Harz regnete es über 60 Stunden ohne Unterbrechung, so dass laut Wetterdienst vielerorts mehr als 160 mm/m² und in Spitzenlagen sogar bis zu 238 mm/m² nieder gingen. In der Folge traten Bäche und Flüsse über die Ufer und erreichten binnen Stunden Rekordwerte. Besonders betroffen waren der Vorharz und das südliche Niedersachsen. Mehrere Landkreise lösten aufgrund der Überflutungen Katastrophenalarm aus.

Im Landkreis Hildesheim erreichte die Innerste mit 714 cm einen bisher nie gemessenen Höchststand. Die Siebenmetermarke war 27 Stunden lang überschritten. Zu Beginn der Regenfront lag der Pegel bei 235 cm.

Neben den örtlichen Kräften von Feuerwehr, THW und Hilfsorganisationen wurden auch überörtliche Einsatzkräfte aus ganz Niedersachsen und den benachbarten Bundesländern angefordert. Das Technische Hilfswerk aus Ronnenberg war am 27. und 28. Juli 2017 in der Gemeinde Giesen im Landkreis Hildesheim im Einsatz. Schwerpunkte waren Einsatzstellen in Giesen, Hasede und Ahrbergen. Mit 28 Helfern und 7 Einsatzfahrzeugen war der Technische Zug der Gesamteinsatzleitung im Feuerwehrhaus in Hasede unterstellt. Weitere vier Helfer leisteten rückwärtige Unterstützung in Ronnenberg. Die THW Führungsstelle wurde im Bauhof Hasede eingerichtet, wo sich gleichzeitig eine zentrale Sandsackfüllstation befand.

Das THW Ronnenberg unterstützte in der Sandsacklogistik und durch den Einsatz diverser Tauchpumpen. In Hasede waren die Innerste und der Mühlenbach soweit über die Ufer getreten, dass eine zentrale Pumpstation der Abwasserentsorgung massiv gefährdet war. Feuerwehrkräfte und Helfer aus der Bevölkerung bauten einen provisorischen Sandsackwall zum Schutz. Das Wasser stieg jedoch so schnell, dass nicht nur Gefahr von der Flussseite drohte. Durch die Flächenentwässerung füllte sich sehr schnell ein großes Regenrückhaltebecken und trat über die Ufer. Das THW Ronnenberg setzte zum Absenken des Wasserstandes hier über 14 Stunden fünf elektrische Tauchpumpen mit einer Gesamtleistung von 12 – 14.000 Liter in der Minute ein. Zur Stromerzeugung wurde ein mobiler Stromerzeuger verwendet, da das Stromnetz teilweise abgeschaltet war. In den Morgenstunden sank der Wasserspiegel dann merklich, nachdem alle Zuflüsse mit Sandsäcken abgedichtet waren. Durch gemeinsame Anstrengungen ist es gelungen die Abwasseranlage vor der Überflutung zu schützen, so dass ein weiterer Betrieb möglich war.

Auf dem Bauhof in Hasede war bei Eintreffen der Ronnenberger Kräfte bereits eine zentrale Füllstelle für Sandsäcke eingerichtet. Helfer einer Kreisfeuerwehbereitschaft und freiwillige aus der Bevölkerung füllten hier an sechs Füllstellen Säcke, die dann mit dieversen Transportfahrzeugen verteilt wurden. THW Helfer aus der Fachgruppe Ortung unterstützten zunächst durch das Reparieren von Paletten die für den Transport dringend benötigt wurden. Später in der Nacht füllten sie auch selbst die Säcke. Die Fachgruppe Räumen übernahm von dem Bauhofmitarbeitern, die zum Teil auch schon mehr als 24 Stunden im Einsatz waren, Radlader und Kipper und führte mit den Fahrzeugen der Gemeinde und den eigenen Fahrzeugen ununterbrochen Sandsacktransporte durch.

Zu einer weiteren Verschärfung der Situation kam es dann gegen Mitternacht im Gewerbegebiet in Ahrbergen. Plötzlich näherte sich eine schnell steigende Flutwelle über die Felder, so dass eine Überflutung des gesamten Gebietes zu befürchten war. Einsatzkräfte einer Kreisfeuerwehrbereitschaft aus dem Landkreis Lüchow Dannenberg errichteten schnell einen provisorischen Notdeich, während eine Gruppe der Ronnenberger THW Helfer mit Tauchpumpen versuchte das durchsickernde Wasser zurück zu pumpen, um landseitig weiter an dem Notdeich arbeiten zu können. Da auch in der Kanalisation das Wasser bis zur Oberkante der Schächte stand, blieb notdürftig nur die Möglichkeit das Sickerwasser zurück über den Deich zu pumpen. Die Lage war mehrmals kritisch und ein Gelingen keineswegs gesichert, da das Wasser schneller stieg, als dass ausreichend Säcke für die Erhöhung herangeschafft werden konnten. Zusätzlich zu der Füllstation im Bauhof wurde eine weitere Füllstation im Gewerbegebiet eingerichtet. Mit LKW und Radladern wurden im Minutentakt Paletten mit Sandsäcken herangeschafft. Erst nachdem das Wasser gegen 4 Uhr morgens nicht mehr stieg und der Notdeich mittels Folien weiter abgedichtet wurde, war die Lage wieder unter Kontrolle. Das Wasser der Innerste wurde vor der Barriere ca. 1 Meter hoch aufgestaut. Durch den Einsatz mehrere Pumpen in der Kanalisation konnte nachfolgend das Sickerwasser auch wieder in die Oberflächentwässerung abfließen. Der Strom für die Pumpen sowie die Beleuchtung wurden durch Stromerzeugeranhänger mit Lichtmasten der THW Ortsverbände Gifhorn, Elze und Hannover-Langenhagen sichergestellt.

In weiteren Einsätzen wurden Keller mit Tauchpumpen leer gepumpt, bzw. der Wasserspiegel soweit abgesenkt, dass die Elektroverteilung nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Unter anderem drang in einem Gewerbebetrieb so viel Grundwasser in die Kellerräume ein, dass insgesamt 3 Tauchpumpen erforderlich waren den Wasserspiegel so niedrig zu halten, dass die teuren Maschinen keinen Totalverlust aufwiesen. Die letzten Tauchpumpen des Ortsverbandes wurden erst gegen Mittag zurück gebaut bzw. ausgetauscht.

An anderen Stellen war auch die Fachberatung des THW gefragt. So ging es einerseits um die Standfestigkeit von Wänden aufgrund des angestauten Grundwassers. An mehreren anderen Stellen wurden zusammen mit den Feuerwehren Quellkaden errichtet, wo die Gefahr von Unterspülungen an den Notdeichen bestand.

Am frühen Nachmittag erreichten die letzten THW Helfer der Bergungsgruppen wieder die Unterkunft, wo die stark verschmutzten Pumpen und Schläuche grob gereinigt werden mussten. Nach einer verspäteten Mittagsverpflegung konnte der Dienst gegen 15.30 Uhr für alle beendet werden.

Besonderer Dank geht an die Kameraden der Ortsfeuerwehren in der Gemeinde Giesen und der Kreisfeuerwehrbereitschaft aus Lüchow-Dannenberg sowie den Verantwortlichen des Bauhofs, mit denen an allen Einsatzstellen gut zusammen gearbeitet wurde.

tl;dr

Am 27. und 28. Juli 2017 wurde unser Ortsverband zum Einsatz gegen das Hochwasser im Landkreis Hildesheim eingesetzt.

An insgesamt drei Standorten waren Helfer der Bergungsgruppen und der Fachgruppen unter Führung des Zugtrupps im Einsatz.

Rund 6500 Sandsäcke wurden von Helfern befüllt, von denen 2700 mit drei Kippern (THW OV Ronnenberg, FW Lüchow Dannenberg und Bauhof Giesen) an die jeweiligen Einsatzstellen geliefert wurden. 

Im nahegelegenen Umfeld musste eine Senke leer gepumpt werden. Mithilfe von Tauchpumpen mit einer Leistung von 12.000- 14.000 l/h wurde aus dem überflutete Bereich 14 Stunden lang Wasser rausgepumpt. 

Parallel dazu gab es eine dritte Einsatzstelle in Ahrbergen, wo ein Gewerbegebiet durch einen Sandsackwall sowie durch Tauchpumpen gegen eine Überflutung geschützt werden musste. 

In Ergebnis haben unsere 28 im Einsatz befindlichen Helfer 7500 Sandsäcke gefüllt, zehntausende Liter Wasser gepumpt, Stromversogung der Pumpen aufgebaut, sowie die beteiligten Feuerwehren beim Sandsackverbau unterstützt.

Der Einsatz von Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Kräften des THW und das Engagement der betroffenen Bürgerinnen und Bürger konnten noch größere Schäden abwenden. 

 

 


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